Skulpturen Münster – zweiter Besuch

Eingang zum Tunnel Schlossplatz, Skulpturen Münster, Aram Bartholl

Ich konnt’s nicht lassen. Ich musste nochmal zu den Skulpturen nach Münster fahren. Zwar ist unser erster Besuch der Skulpturen Münster schon ein paar Tage her, aber wir sind immer noch begeistert!
Bevor es richtig losgeht, ein kurzer Rückblick, was wir nach unserem ersten Besuch auf unsere Liste gesetzt hatten: Gregor Schneiders Räume nochmal besuchen [das hat leider nicht geklappt], Teil 2 und 3 von Andreas Buntes laboratory life ansehen [Mist, das hat auch nicht geklappt] und die Installation von Aram Bartholl in der Unterführung am Schlossplatz durchqueren [juchu, das hat geklappt!].

Teelichtwechsel und mehr – Skulpturen Münster

Egal, ob man den schmuddeligen Tunnel noch von früher kennt oder nicht. Ob man bereits Arbeiten von Aram Bartholl gesehen hat oder nicht: Die thermoelektrischen Kronleuchter in der Unterführung am Schlossplatz sind toll. Kleine Teelichter im Kreis unter die Decke gehängt – allein das wäre schon eine echte Aufwertung für diese bizarre Location gewesen. Sie aber als Energiequelle zu nutzen, um jedem einzelnen Teelicht noch einen LED-Heiligenschein zu verleihen – einfach genial.

Skulpturen Münster, Aram Bartholl, 3V

Aram Bartholl, 3V, Skulpturen Münster, Tunnel zum Schlossplatz

Man merkt es mir wahrscheinlich an: Ich bin begeistert. Aber ich kann das Ganze noch toppen: Fast noch besser als die Installation an sich ist der Teelichtwechsel. Genau: der Teelichtwechsel. Das funktioniert so: Ungefähr alle vier Stunden sind die Teelichter ausgebrannt und müssen erneuert werden. Das erinnert entfernt an den Wachwechsel vor dem Buckingham Palace. Natürlich im Dunkeln und mit deutlich weniger Soldaten. Dafür aber mit einer sehr engagierten SP17-Mitarbeiterin und einer Leiter.

Die Magie dieses Wechsels entsteht dadurch, dass diese eine Mitarbeiterin natürlich unmöglich alle Teelichter gleichzeitig wechseln kann. Dadurch ergibt sich eine fabelhafte Woge aus Licht, Schatten – und wieder Licht: Zuerst erlöschen an einer Seite die ersten Teelichter. Während sich das Dunkel weiter ausbreitet, werden die ersten neuen Lichter bereits entzündet. Und auf einmal leuchtet der Tunnel wieder. Sehr sehenswert.
Übrigens, diese Installation trägt den Titel 3V. Wer möchte, kann sich auch noch 5V und 12V anschauen. Die stehen auch auf meiner Liste. Vielleicht klappt’s ja heute noch.

Spaziergang Skulpturen Münster: Schloss – Nuclear Temple – LBS

Von der Unterführung haben wir uns, vorbei am Schloss, auf den Weg zum alten Zoo gemacht. Das ist ein wunderbarer Spaziergang, vorbei an netten schlossähnlichen Gebäuden und großen Spielplätzen. Vor allem die unter Zehnjährigen in unserer Gruppe waren von beidem total begeistert. Das Schöne an diesem Spaziergang ist auch, dass er uns zu Thomas Schüttes Nuclear Temple geführt hat.

Skulpturen Münster: Nuclear Temple, Thomas Schütte

Mäuerchen an Thomas SchütteS Nuclear Temple, Skulpturen Münster

Umgeben von einem kleinen Mäuerchen steht in der Mitte dieser massige, rostige Stahlklotz. Zu Anfang dachte ich noch: Was soll das denn? Als wir dann eine Weile sitzen geblieben sind, habe ich zugeschaut: Kinder krabbeln rein, wieder raus, wieder rein. An ganz anderer Stelle wieder raus. Dann wollte ich es auch wissen: Würde ich da auch reinpassen? Und wenn ja, würde ich wieder raus kommen? Und überhaupt: würde ich das wollen? Letztendlich habe ich es nicht selbst ausprobiert. Aber je länger ich zugeschaut habe, desto besser gefiel mir diese Skulptur. Zum Schluss wollte ich gar nicht mehr gehen …

Skulpturen Münster – der Spaziergang geht weiter …

Nach einer Weile konnte ich mich dann doch losreißen und wir sind zum LBS-Gebäude weiter gegangen. Dort im Foyer befindet sich die Installation „HellYeahWeFuckDie“ von Hito Steyerl. Super clean – Beton-Imitat und Neon-Leuchtbuchstaben im Marmor-Foyer der Sparkasse. Das sitzt.

LBS-Foyer, hellyeahwefuckdie, Skulpturen Münster

HellYeahWeFuckDie, Skulpturen Münster, LBS-Foyer

Auf den Monitoren laufen animierte Roboter und Raptoren-ähnliche Wesen, die sich sichtlich anstrengen müssen, nicht von den herabfliegenden Wattebäuschchen und Schaumstoffklötzchen aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Dazu passend hat es drei Meter weiter ein solches Wesen im Foyer lang hingestreckt. Gerade so, als sei es just dem Monitor entsprungen. Für Woody Allen-Fans: Das erinnert ein klitzekleinwenig an „The Purple Rose of Cairo“. Nur besser.

OFF OFD

Merkwürdigerweise scheint der Tag heute besonders kurz zu sein – eigentlich müssten wir uns jetzt schon wieder auf den Weg nach Hause machen. Aber vorher würde ich mir gerne noch den Bau von Christian Odzuck auf dem Gelände der ehemaligen Oberfinanzdirektion anschauen. Das liegt glücklicherweise etwas außerhalb und dadurch fast auf dem Weg zur Autobahn, wie praktisch.

Skulpturen Münster, Blick auf Baustelle, OFF OFD

Blick von der Skulptur auf die Baustelle, Christian Obzuck, OFF OFD, Skulpturen Münster 2017

Diese begehbare Skulptur steht dort, wo früher die Oberfinanzdirektion stand. Fast so, als wäre das Gebäude abgerissen worden, aber die Treppe und ein Flur im ersten Stock sind stehen geblieben. Das hat was.
Alle, die größer als ein Meter sind, können einen tollen Blick auf die Nachbarschaft erhaschen. Und besonders auf die Bau- bzw. Abriss-Stelle der Oberfinanzdirektion. Wenn es nach mir ginge, könnte diese Skulptur dauerhaft zum festen Bestandteil der Münsteraner Kultur-Landschaft werden. Andererseits befürchte ich, dass sich die Stadt Münster bereits etwas anderes für dieses Gelände überlegt hat.
Übrigens, alle unter einem Meter Körpergröße kommen auch auf ihre Kosten: Den langen Flur „im ersten Stock“ kann man prima entlang rennen. Wer kommt in meine Aaarme?

Eigentlich …

… wollten wir durch unseren zweiten Besuch in Münster unsere Liste verkürzen und ein paar Punkte „abarbeiten“. Daraus ist leider nichts geworden. Im Gegenteil. Die Liste ist noch länger geworden: Wir möchten uns noch 5V und 12V anschauen. Wir möchten die singenden Bilder von Ei Arakawa sehen und ich möchte auf jeden Fall den Asialaden von Mika Rottenberg besuchen. Ganz zu schweigen von Marl … . Aber das steht vielleicht auf einem anderen Post.

Wer möchte, kann in der Zwischenzeit auch versuchen, seine Liste virtuell abzuarbeiten. Zum Beispiel mit dieser Reportage des WDR, oder meinem Bericht von unserem ersten Besuch bei den Skulptur Projekten.

 

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